Georeferenzierung für den Basistunnel Erzgebirge, NBS Dresden–Prag

Auftraggeber: DB InfraGO / HTW Dresden — Zeitraum: März 2024 – September 2025

16. September 2025

Bildnachweis: DB / SZ

Über das Projekt

Jaud IT war Teil des Forschungsteams für eine wissenschaftlich-technische Georeferenzierungsstudie zur Neubaustrecke Dresden–Prag und verantwortete dabei die IFC- und MVD-Komponente: die Schemata und Formate für den openBIM-Informationsaustausch.

Die Studie wurde von der Fakultät Geoinformation der HTW Dresden (Prof. Christian Clemen) geleitet und befasste sich mit einem konkreten Planungsproblem: Die neue Strecke umfasst einen grenzüberschreitenden Tunnel von rund 30 Kilometern durch das Erzgebirge, zwischen Heidenau in Deutschland und Chabařovice in der Tschechischen Republik. Die 3D-Planung eines solchen Bauwerks erfordert ein Koordinatenreferenzsystem, das über zwei nationale Grenzen hinweg tatsächlich funktioniert — eine Anforderung, die in Projekten nur selten auftritt.

 

Bildnachweis: DB InfraGO AG / Jan Frintert, Link

Zwei Probleme mussten gelöst werden. Das Erste ist geometrischer Natur: Kartografische Projektionen führen stets zu Maßstabsverzerrungen, die mit der Höhe zunehmen. Die Studie berechnete optimale Parameter für eine maßstabstreue Projektion (Low Distortion Projection), die der Geometrie des Tunnels angepasst ist. Das zweite Problem ist institutioneller Natur: Deutsche Bahn und Tschechische Eisenbahn verwenden unterschiedliche Koordinatensysteme und unterschiedliche Realisierungen des ETRS89-Datums. Auf Grundlage geodätischer Berechnungen der TU Dresden (Prof. Lambert Wanninger) und Vermessungsmessungen des Ingenieurbüros Dr. Franke entwickelte die HTW Dresden Open-Source-Transformationssoftware, die Vermessungspunkte, Geodaten und Trassierungselemente zwischen den beiden Eisenbahnvermessungssystemen konvertiert.

Die Studie erarbeitete außerdem Software-Handlungsempfehlungen und Informationsmanagement-Empfehlungen, damit openBIM-Projekte geodätische Koordinatenmaßstäbe konsistent handhaben können — ein bekannter Schwachpunkt, bei dem verschiedene Teams dazu neigen, das Problem auf unterschiedliche Weise zu umgehen.

Die Studie lief von März 2024 bis September 2025 am Zentrum für Angewandte Forschung und Technologie (ZAFT) der HTW Dresden, in enger Zusammenarbeit mit Schüßler-Plan Ingenieurgesellschaft, DB InfraGO, TU Dresden und Jaud IT GmbH. Die Ergebnisse wurden am 16. September 2025 im DB-Informationszentrum in Heidenau präsentiert.

Weitere Informationen auf der offiziellen Seite des Projekts Dresden–Prag